Schmierblatt Focus: Sexismus vs. Rassismus

In den letzten Tagen mussten wir schmerzlich erfahren, wie Sexismus und Rassismus auf verheerende Weise miteinander verzahnt sind. Die Bildtitel einiger Magazine und Zeitungen (z.B. Süddeutsche Zeitung) in Reaktion auf die schrecklichen Ereignisse in der Silvesternacht 2015/16 in Köln und anderen deutschen Städten machen dies deutlich. Der Focus jedoch treibt es mal wieder auf die Spitze und zeigt auf seinem Cover eine nackte weiße Frau, deren Körper von schwarzen Handabdrücken übersät ist.

Bildschirmfoto 2016-01-09 um 18.46.39

Dieses Coverfoto ist für mich Sinnbild für den Umgang mit Diskriminierung in Deutschland: Auf eine perfide Art vereint das Foto Sexismus und Rassismus bzw. spielt diese menschenverachtenden Diskriminierungsformen gegeneinander aus. Bei uns fehlt leider immer noch das Verständnis für intersektionale Mechanismen und ihre Folgen. Anstatt also Frauen als “Objektträgerinnen” für Rassismus zu missbrauchen, lernen wir doch besser mehr über Intersektionalität – z.B. von Laurie Penny oder Musa Okwonga – und schmeißen den Focus dorthin, wo er hingehört: in den Lokus.
#noSexism #noRacism

P.S. Schon vor zwei Tagen schrieb die taz zum Focus Titel: “Das ist nicht Kritik an Rape Culture, das ist Rape Culture. Und rassistisch.”

Alles Banane…

Schon seit längerer Zeit hatte ich vor, über ein Schweizerisches Fitnesscenter zu schreiben, das im Sommer 2015 mit dieser unglaublich dämlichen Kampagne auf sich aufmerksam machen wollte:

wegblasen-500

Aber die Flyerkampagne war so platt, dass mir einfach nichts einfallen wollte. Jetzt habe ich das Thema noch mal nach-recherchiert und siehe da, es gibt ein paar interessante O-Töne und “Erkenntnisse” der Inhaberin, Maggie Weber, sowie eine Empfehlung (s. Seiten 15-16) der Ersten Kammer der Schweizerischen Lauterkeitskommission vom 16.9.2015.

Maggie Weber wollte “mal etwas neues ausprobieren” wie sie am 19. Oktober 2015 im Interview sagte: “Ein totaler Fehltritt. Im Nachhinein bereue ich diese Werbekampagne.” Hmm, okay… Fehltritt, Reue… Aber wie kommen Menschen 2015 noch darauf, dass so eine Kampagne “etwas neues” sei? Das ist nichts neues. Das ist nicht innovativ, hip, trendy, oder ähnliches. Das ist ganz traditioneller Sexismus. Wohlbekannt, alter Hut, Stammtisch-Niveau.

Folglich gab es eine Beschwerde wegen unlauterer Werbung und die Erste Kammer der Schweizerischen Lauterkeitskommission hieß diese gut und empfahl der Beschwerdegegnerin auf Grundlage des Grundsatzes Nr. 3.11 Ziff. 2 : “(…) inskünftig auf die Verwendung der Werbung mit den Aussagen «Dieses Angebot wird Sie wegblasen», «Zögern Sie nicht länger Ihren Höhepunkt hinaus» und «Jetzt ist der beste Zeitpunkt um zu kommen» in Kombination mit den jeweiligen Abbildungen zu verzichten”.

In Deutschland gibt es übrigens den Werberat, der für Beschwerden über herabwürdigende oder diskriminierende Werbung zuständig ist.

In diesem Sinne – wenn auch etwas verfrüht – Guten Rutsch!

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cc Lars (Lon) Olsson