Die Frauenquote im neuen Bundestag

abgeordnetenwatch.de und Spiegel Online haben eine interaktive Grafik ausgearbeitet, mit der man sich die neuen Abgeordneten im Bundestag anschauen bzw. nach Alter, Geschlecht, Familienstand und Kindern filtern kann:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundestagsradar-das-sind-ihre-abgeordneten-a-928365.html

Dabei tritt folgendes Bild zum Thema Frauen im Bundestag zu Tage: von 631 Abgeordneten sind 230 Frauen und 401 Männer also ein Frauenanteil von etwas mehr als einem Drittel. Das sieht dann so aus (Frauenanteil):

Bildschirmfoto 2013-10-22 um 10.23.47

Bei der Verteilung auf die einzelnen Parteien ergibt sich folgendes Bild:

CSU: 14 Frauen zu 42 Männern (gesamt 56)
CDU 64 Frauen zu 191 Männern (gesamt 255)
Grüne: 35 Frauen zu 28 Männern (gesamt 63)
SPD: 81 Frauen zu 112 Männern (gesamt 193)
Linke: 36 Frauen zu 28 Männern (gesamt 64)

In der Grafik sieht das dann so aus:

Bildschirmfoto 2013-10-22 um 10.22.42

Nur bei den Grünen und der Linken ist der Frauenanteil (sogar über) 50%, bei der SPD liegt er bei etwas besser als einem Drittel und  bei den beiden anderen Parteien CDU und CSU jeweils nur bei einem Viertel. Das ist echt mau (trotz Angela Merkel und ein paar der Ministerinnen).

Obwohl die deutsche Politik häufig für ihren “hohen” Frauenanteil gelobt wird, muss doch auch hier wieder differenziert werden. Tatsächlich gibt es ja eine ganze Reihe von prominenten Politikerinnen, die häufig zu Wort kommen und damit meinungsbildend wirken (sprich Macht haben und auch ausüben). Doch abgesehen von diesen öffentlich präsenten Politikerinnen, reicht auch in der Politik (und gerade hier)  ein gutes Drittel einfach nicht aus.

We want half of the cake!

 

7 thoughts on “Die Frauenquote im neuen Bundestag

  1. Frauen sind – gemessen an der Prozentzahl der weiblichen Parteimitglieder – nicht unterrepräsentiert. Im Gegenteil: Bei CDU und CSU spiegelt der Anteil der Frauen ungefähr den Anteil der weiblichen Parteimitglieder wider, in den restlichen Parteien sind Frauen gemessen daran im Bundestag unterrepräsentiert. Da sich ein Kandidat/eine Kandidatin zunächst parteiintern durchsetzen muss, bevor er/sie überhaupt die Chance hat, die Bevölkerung zu repräsentieren, dürfte das die maßgebliche Zahl sein, nicht der Anteil der Frauen in der Gesamtbevölkerung.
    (Und bevor jemand diskutieren möchte, wer die einflussreicheren Posten besetzt: Das ist eine andere Frage)

  2. Mein Kommentar muss natürlich lauten: Bei den anderen Parteien sind Frauen gemessen an dem weiblichen Mitgliederanteil im Bundestag überrepräsentiert.

    1. Aber die Bundestagsabgeordneten repräsentieren ja nicht die ParteimitgliederInnen, sondern sie repräsentieren, im besten Fall, die gesamte Bevölkerung. Dass so wenig Frauen in der CDU und CSU Parteimitgliederinnen sind, ist interessant, widerspricht aber in keiner Weise den Zahlen, sondern untermauert die Misere nur.

      1. Das ist so pauschal falsch. Bundestagsabgeordnete repräsentieren natürlich die Partei, für die sie antreten. Sie repräsentieren AUCH die Bevölkerung.
        Das ändert aber nichts daran, dass sich Parteimitglieder für einen Listenplatz parteiintern gegen andere durchsetzen müssen (ebenso dann, wenn sie sich als Direktkandidaten qualifizieren möchten).
        Gemessen am Engagement (bei der Annahme, dass männliche und weibliche Parteimitglieder im Schnitt gleich engagiert sind) sind Frauen also nicht unterrepräsentiert.

        1. Bundestagsabgeordnete repräsentieren die Bevölkerung, nicht ihre Parteien:

          Artikel 38 Grundgesetz lautet:

          (1) Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt. Sie sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen.

          Artikel 38

          Natürlich ist mir bewusst, dass es so etwas wie Partei- und Fraktionszwänge gibt, aber zunächst einmal gilt obiger Artikel.
          Dass Frauen in einigen Parteien unterrepräsentiert sind (z.B. in CDU und CSU), ist der Anfang der Misere, der sich dann in Ämtern und Mandaten fortsetzt. Unterrepräsentiert sind Frauen und Arbeiter/innen. Hier analysiert Das Parlament genauer wer über- und wer unterrepräsentiert ist in unserem Parlament:

          Das Parlament

          1. Ich habe nicht bestritten, dass Parlamentarier das Volk repräsentieren. Aber sie sind zur Wahl als Teil einer Partei angetreten, deren Werte sie verkörpern und die sie ebenfalls repräsentieren, auch wenn sie an die Beschlüsse und Weisungen der Partei nicht gebunden sind.

            Und das war es, wo meine Kritik ansetzte: Die Hälfte des Kuchens kann nur verlangen, wer sich beim backen auch entsprechend einbringt. Oder, um das Bild zu strapazieren: Wenn eine Bäckerin einen Kuchen in den Ofen schiebt und ihr männlicher Mitbäcker drei, kann ich aus dem Publikum am Ende nicht zwei Kuchen für die Bäckerin mit dem Argument verlangen, dass das Publikum zu 50% aus Frauen besteht.

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