Akademische “Laufbahn” für Frauen

Heute gibt es ein paar Zahlen zum Thema Frauen an der Universität. Starten wir mit aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes aus den Jahren 2010-2012:

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Bemerkenswert ist der Sprung bzw. Sturz des Frauenanteils von Promotionen (45,4%) zu Habilitationen (27,0%) zu hauptberuflichen Professuren (20,4%) zu C4-Professuren (11,2%) in 2012. Lächerliche 11% bleiben also am Ende dieses Weges übrig.

Statistisches Bundesamt 

Selbst das BMBF muss zugeben, dass der “Bruch nach [der] Promotion” stattfindet, trotz der 150 Mio Euro Initiative des Professorinnen-Programms von 2007 (und der Weiterführung 2012 mit nochmals 150 Mio Euro).

BMBF

Sie loben sich zwar kräftig selbst, dass “[i]m Jahr 2010 […] rund 8.526 Professorinnen” lehrten und forschten, doch das ist prozentual eben immer noch nur 19,9% bzw. 10,6% der gesamten deutschen Professuren (s. Zahlen des Statistisches Bundesamt für 2010).

Der Wissenschaftsrat fordert in seiner Fünf Jahres Offensive für Chancengleichheit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von 2012 eine 40% Frauenquote in allen universitären Gremien. Der Rat empfiehlt:

“Bei der Besetzung von Auswahlkommissionen in Berufungsverfahren ist eine Teilhabe von Frauen zwingend. Eine Mindestbeteiligung von 40% sollte verbindlich sein, um einen möglichen gender bias von vornherein zu minimieren. Ausnahmen bedürfen der Zustimmung der Gleichstellungsbeauftragten.” (S. 28)

“Auch in Feldern, in denen Frauen generell unterrepräsentiert sind, sollte die Beteiligung von Frauen in wissenschaftlichen und wissenschaftspolitischen Gremien auf mindestens 40% erhöht werden. Liegt ihr Anteil unter dieser Schwelle, dann steigt das Risiko, dass wissenschafts- und fachpolitische Entscheidungen nicht geschlechterunvoreingenommen getroffen werden. Die Qualität der Entscheidungen in Gremien steigt durch die Diversität ihrer Besetzung.” (S. 34)

Klarer kann man es nicht formulieren, auch wenn ich bei der Forderung nach 50% bleibe. Offensichtlich wird auf den Wissenschaftsrat aber eh nicht gehört, denn von 40% in allen Gremien kann derzeit wohl kaum die Rede sein.

Fazit: Wir haben schlechtere Universitäten, weil wir unsere besten Köpfe nicht zum Zuge kommen lassen und systematisch ausgrenzen. Das heißt schlechtere Lehre und schlechtere Forschung für uns alle.

jmm-hamburg
cc jmm-hamburg

Nachtrag 4.11.2013
Folgender Artikel vom 7.7.2008 bei Forschung und Lehre lohnt sich, auch heute,  5 Jahre später, zu lesen (leider):

Ausgebremst
Über den Mangel an Frauen in der Wissenschaft – Hintergründe und Perspektiven

2 thoughts on “Akademische “Laufbahn” für Frauen

  1. Naja die ETH in der Schweiz ist wohl eine der Besten oder die beste Universität auf Kontinental Europa. Sie hat aber noch tiefere Anteile an weiblichen Studierenden, und Lehrenden. Mit der gleichen Logik müsste man fordern, Frauen von der Uni fern zu halten, weil das zu besseren Unis führt.
    Fakt ist, dass ich fast keine Doktorandinen kenne, die eine Beziehung haben zu einem Partner, der weniger ausgebildet ist als sie es sind. Da kommt dann irgendwann mal die Frage nach Kindern und das Mühsame Verbinden von Kindern und Forschung. Viele Post-Doktorandinnen reduzieren dann die Arbeitslast. Und schon sind Sie weg vom Fenster. Das passiert den wenigen Männern die es Ihnen gleich tun auch. Weg vom Fenster. Ergo: Wenn Frauen mehr Lehrende stellen sollen, müssen Frauen genau gleich wie die Männer akzeptieren, dass sie ihre Kinder nur wenig sehen. Denn es gibt immer ein Mann oder eine Frau die genau das in Kauf nimmt für die Karriere. Ich habe so oft gesehen dass bei Frauen der Ruf der Natur kommt und sie dem folgen. Hard core Feministinnen die eine Gruppenleiter position aufgeben um für das Kind dazu sein.
    Das ist an und für sich nichts schlechtes. Aber solange ich bei den wenigen Frauen die ich sehe, die die Chance offensichtlich erhalten haben, dass sie die Chance einfach wegwerfen, kann ich keine 50% quote unterstützen. Dazu müsste man an die 90% an Frauenanteil von Studierenden erzielen und Männer noch aktiver “positiv” diskriminieren. Ob das dann der Qualität an den Unis hilft, wage ich zu bezweifeln.

    1. Ja, die ETH gilt wohl als sehr gute Hochschule. Mein Argument war jedoch nicht, dass Hochschulen wie die ETH “schlecht” sind, sondern dass sie noch besser sein könnten, wenn sie das gesamte Potenzial nutzen würden. Es handelt sich bei der ETH – bekannter Weise – um eine technische Hochschule, wo der Frauenanteil unter Studierenden und Lehrenden leider noch geringer ist, wie ebenfalls bekannt sein dürfte. In Deutschland liegt das Verhältnis von weiblichen zu männlichen Ingenieuren zum Beispiel heute bei nur 1/6. Ich empfehle da die Seiten der MINT-Initiativen für genaue Zahlen auch im internationalen Vergleich:

      MINT

      Tatsächlich kommt der Karrierebruch an der Universität oftmals zeitgleich mit der Entscheidung für (ein) Kind(er). Aber woran liegt das? Das liegt an den Strukturen, die nicht, oder nur sehr schlecht, dafür geeignet sind, Kind und Karriere (einfacher) möglich zu machen. Es liegt aber auch an den alten männlichen Strukturen, die eben oftmals dazu führen, dass Männer von Männern berufen werden, die dann wieder Männer berufen.
      Natürlich ist eine wissenschaftliche Karriere zeitaufwendig, aber es gibt viele Berufe, die zeitaufwendig sind und wo es dennoch möglich ist, sich nicht zwischen Kind und Karriere entscheiden zu müssen. Das geht nämlich immer dann sehr gut, wenn Strukturen flexibel sind (flexible Arbeitszeiten, home office etc.) und sehr gute Betreuungsmöglichkeiten (Tageseltern, Kitas, Ganztagsschulen) vorhanden sind. Diese Strukturen gilt es zu schaffen, den Frauenanteil bei Professuren gilt es per Quote raufzusetzen, dann erst schöpfen wir das volle Potenzial aus und können wirklich von Gleichberechtigung sprechen.

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