Monthly Archives: November 2013

ProQuote (er)klärt den Machtquotienten

ProQuote klärt über die Machtfrage in der deutschen Medienlandschaft auf und veranschaulicht einfach und mühelos, worum es tatsächlich bei der Quote geht:
um Macht!

Gleichzeitig veröffentlicht ProQuote heute ein interaktives “Kamelrennen” anhand dessen die weibliche “Aufholjagd” bei den “Print-Leitmedien” verdeutlicht wird:

“Kamelrennen”

Das Rennen führte im Februar 2013 Die Zeit mit einer Frauenquote von 30,8% an, gefolgt von Bild mit 18,7% und Focus mit 18,2%; Schlusslicht bilden Der Spiegel mit 11,3% und die Süddeutsche Zeitung mit lächerlichen 4,2%.
Im November 2013 liegt nach wie vor die Zeit mit 37% vorne, gefolgt vom Stern mit 21,7% und Der Spiegel mit 19,1%; Schlusslichter sind wieder die Süddeutsche Zeitung mit 12,5% und Die Welt mit 11,5%.
Interessant: Bei der Bild gibt es einen dramatischen Rückwärtstrend von 26,5% im September 2013 auf 18,5% im November 2013. Da sind sie wieder die kleinen Kais…

Die Kamelsymbolik finde ich persönlich etwas befremdlich (ein Pferderennen hätte ich für stimmiger gehalten, nach dem Motto “bestes Pferd im Stall”), aber es geht hier ja zunächst um die Zahlen und die sprechen mal wieder für sich.

The caravan passes - Die Karawane zieht weiter                    Daniela Hartmann via Compfight

Wie man Kinder mit Schokoladeneis zum Weinen bringt… genderfail im Alltag

Am Wochenende waren wir auf einer Familienfeier und unsere Kinder bestellten sich zum Nachtisch Schokoladeneis. Ungefragt kam eine Kugel mit Schokostreuseln und eine Kugel mit rosa und weißen Zuckerstreuseln. Als mein Sohn nach dem Eis mit den rosa und weißen Streuseln griff, maßregelte ihn die Kellnerin, das sei doch nun eindeutig nicht für ihn, sondern für seine kleine Schwester. Die wiederum heulte, weil sie die Schokostreuseln haben wollte. Völlige Verzweiflung und Verwirrung!

Wie kann man nur Kinder mit Schokoladeneis unglücklich machen?

Unsere Lösung (nicht immer praktikabel): eine zweite Kugel Eis für beide; diesmal Schokostreuseln für die Schwester und rosa und weiße Streuseln für den Bruder, den Blicken der Kellnerin zum Trotz.

Colors of Summer - Ice Cream Earrings #3

                 Stéphanie Kilgast via Compfight

30% Frauenquote: Im Schneckentempo der Zukunft entgegen

Jetzt kommt also die Kompromissquote oder auch Miniquote: 30% Frauen in den Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen ab 2016. Hmmm, wäre diese Nachricht vor 10 Jahren verkündet worden, hätte es ein Grund zum Feiern gegeben; heute – 2013 – schmeckt der Sekt schal.
Okay, besser als nichts… Besser als (nur) die Flexiquote… Aber mal ehrlich, 30%? Ist das alles? Und nur die Aufsichtsräte? Nicht die Vorstände? Und nicht die öffentlichen Unternehmen (ups, vergessen, oder was?)? Und keine Strafe bei Nichteinhaltung, nur leerbleibende Plätze?

Schauen wir uns die Zahlen an… Alle Zahlen stammen aus dem Women-On-Board-Index von FidAR (Frauen in die Aufsichtsräte e.V.) vom 15.9.2013: 

Aktuell sind in 160 börsennotierten Unternehmen (DAX, MDAX, SDAX und TecDAX) folgende Frauenquoten vorzufinden:
17,4% in den Aufsichtsräten gesamt (auf der Seite der AnteilseignerInnen sind das 7,2%; auf der Seite der ArbeitnehmerInnen 9,2%)
6,1% in den Vorständen (Gegenprobe: 93,9% Männerquote – nur zur Betonung)
Der Frauenanteil in den Aufsichtsräten und Vorständen vereint beträgt damit 11,7%
Die vier (4 von 160!) weiblichen Aufsichtsratsvorsitzenden werden in dem Bericht namentlich genannt:

“Mit Dr. Simone Bagel-Trah (Henkel AG & Co. KGaA), Eva Castillo (Telefónica Deutschland
Holding AG), Susanne Klatten (SGL Carbon SE) und Marija G. Korsch (Aareal Bank AG) gibt
es mittlerweile vier weibliche Aufsichtsratsvorsitzende.”

0%  Vorstandsvorsitzende

Man kann sich das auch im internationalen Vergleich anschauen:
European Commission: Gender Equality in the Member States. Da sieht’s dann ganz düster aus: Deutschland fällt hier vor allem bei den Women CEO’s  mit 0% negativ auf. 

Gut, bzw. schlecht. 2016 wird also ein Frauenanteil von 30% in den Aufsichtsräten zu verzeichnen sein. Oder aber auch nicht, wenn die Plätze einfach straffrei freigelassen werden nach dem Motto “leider niemand passenden gefunden”. Bleibt es also doch bei obigen Zahlen? 2016 wissen wir mehr…
Nur am Rande sei noch gefragt, seit wann 30% eigentlich ein Drittel sind, wie uns dieser Tage oftmals hoffnungsvoll (oder verzweifelt?) versucht wird weiszumachen? Aber auf die 3% kommt’s nun auch nicht mehr an. Prost!

Slow down Arthur, Stick to Thirty

                          Creative Commons License Colin Milligan via Compfight

Spiegel Online stellt heute (20.11.2013) einige der weiblichen Aufsichtsräte der DAX Unternehmen unter dem Titel Dax-Konzerne: Das sind Deutschlands mächtigste Aufsichtsrätinnen vor und stellt die entsprechenden Grafiken von FidAR zur Verfügung:

Bildschirmfoto 2013-11-20 um 15.52.31 Bildschirmfoto 2013-11-20 um 15.53.25

Und heute (21.11.2013) gibt es noch ein kurzes Spiegel Online Interview mit Sabine Hansen, Headhunter und Vereinsmitglied bei FidAR: Frauenquote in Aufsichtsräten: “Ich habe schon eine Handvoll Damen in petto”.
Frau Hansen spricht hier von den alten Machtstrukturen der “old boys networks” und kritisiert die Reaktion der Arbeitgeberverbände auf die kommende Frauenquote:
“Der Aufschrei der Arbeitgeberverbände überrascht mich. Was sich hier zeigt ist Angst, nicht nur um die Karrieren der Männer, sondern vor Veränderung allgemein”.
Ihr Fazit ist verhalten bis optimistisch:
“Es muss sich noch viel tun, aber das wird es, denn die Quote wird Strahlkraft haben. Man soll sich aber nicht vorstellen, dass jetzt über Nacht alles anders wird. Das ist nur ein erster wichtiger Schritt.”
Wie oft müssen wir wohl noch “erste wichtige Schritte” gehen? 

WebTipp: Goldender Medienpimmel 2013

Großartige Seite: Goldener Medienpimmel 2013. Hier könnt ihr für jede Sendung der Öffentlich-Rechtlichen Sender in 2013 die Frauen- bzw. Männerquoten nachlesen. Ich finde diese Akribie und Mühe ungeheuer aussagekräftig und bewundernswert.
Danke an die Macherin(nen)!

Maiszeit

lens-flare.de via Compfight

28.11.2013: Auch andere sammeln Zahlen: Wer spricht im Radio? – Listening to the Radio (SchspIN vom 8. September 2013)

Thigh Crap: Früher nannten wir das O-Beine

Dieser Tage wimmelt es im Netz (mal wieder) zum Thema Thigh Gap (siehe stern.de et al). Damit bezeichnet man die Lücke, die einige (wenige), eher schlanke Frauen zwischen den Oberschenkeln haben, wenn sie mit geraden, geschlossenen Beinen stehen. Das ist ganz offensichtlich eine anatomische Besonderheit, die vor allem auf Grund von einem weiten Becken- bzw. weit auseinander stehenden Hüftknochen zustande kommt. Dies gilt nun seit einiger Zeit als Schönheitsideal bei (jungen) Frauen und Mädchen.
Egal wie absurd man das nun findet, es ist höchst gefährlich, denn der Versuch diese anatomische Besonderheit durch Diät und Hungern zu erreichen, führt nur allzu oft direkt in die Magersucht und kann tödlich enden (1998-2011 gab es alleine in Deutschland 85 Todesfälle).

Wann fingen wir eigentlich an Begriffe wie “gap” und “size zero” positiv zu benutzen? Früher nannten wir solche Beine O-Beine (sorry an alle O-Beinigen – ihr seid wunderbar, so wie ihr seid). Nach der Lücke kommt das Nichts, nach der Null kommen die negativen Zahlen. Stop the thigh crap! 

115/365 Gonzalo Iza via Compfight

Nachtrag 19.11.2013:
“Halbnackt, nur mit Büstenhalter und Unterhose bekleidet, steht Elena Leonidis vor dem Spiegel. Ihr erster Blick zielt auf die Beine. Ist da eine Lücke zwischen den Oberschenkeln zu erkennen? Je größer sie ist, desto besser. Sie beugt den Oberkörper zurück. Wenn die Schenkel sich immer noch nicht berühren, ist sie zufrieden und kann sich dem Bauch zuwenden…”
Und weiter geht die negative Selbstbetrachtung vor dem Spiegel, beschrieben in einem Artikel vom 13.10.2008 der Frankfurter Rundschau Online mit dem Titel “18 Jahre, 1,73 Meter, 36 Kilo“. Ich finde, das erklärt die Gefahr einer weiteren Kontrollstelle am weiblichen Körper (thigh gap), neben den nur allzu bekannten Stellen “Bauch, Beine, Po” sehr gut.

The Bechdel Test for Women in Movies – A Short Summary

What is the Bechdel Test and how does it work?
Three simple rules for movies to pass the Bechdel Test:

1. It has to have at least two [named] women in it
2. Who talk to each other
3. About something besides a man
The test is explained well on feministfrequency:

The Rules are taken from a cartoon by Alison Bechdel who recently (Nov 8, 2013) commented on the Bechdel Test on her blog.

There is a Bechdel Test Movie List online. Test your movies and be amazed.

Dykes_to_Watch_Out_For_(Bechdel_test_origin)Dykes to Watch Out For

November 28, 2013:
This week the New York Film Academy posted graphics to illustrate Gender Inequality in Film. Their conclusion: “After reviewing the data, it is clear that Hollywood remains stuck in its gender bias.” Well, who would have guessed…

Bad Halloween Joke? Masken für Japanerinnen beim Burger essen?!?

 

…und dann heißt das Ding auch noch “Liberation Wrapper”. Ein Maulkorb für die japanische Werbewirtschaft wäre da eher angebracht und mit ihrer Maske können sie sich getrost den Allerwertesten abwischen. Mir ist der Appetit vergangen!

P.S. Wie war das noch mit Japan im Gender Gap Report 2013? Ah ja, Platz 105 von 136… Ob das eine wohl mit dem anderen zu tun hat?