Thigh Crap: Früher nannten wir das O-Beine

Dieser Tage wimmelt es im Netz (mal wieder) zum Thema Thigh Gap (siehe stern.de et al). Damit bezeichnet man die Lücke, die einige (wenige), eher schlanke Frauen zwischen den Oberschenkeln haben, wenn sie mit geraden, geschlossenen Beinen stehen. Das ist ganz offensichtlich eine anatomische Besonderheit, die vor allem auf Grund von einem weiten Becken- bzw. weit auseinander stehenden Hüftknochen zustande kommt. Dies gilt nun seit einiger Zeit als Schönheitsideal bei (jungen) Frauen und Mädchen.
Egal wie absurd man das nun findet, es ist höchst gefährlich, denn der Versuch diese anatomische Besonderheit durch Diät und Hungern zu erreichen, führt nur allzu oft direkt in die Magersucht und kann tödlich enden (1998-2011 gab es alleine in Deutschland 85 Todesfälle).

Wann fingen wir eigentlich an Begriffe wie “gap” und “size zero” positiv zu benutzen? Früher nannten wir solche Beine O-Beine (sorry an alle O-Beinigen – ihr seid wunderbar, so wie ihr seid). Nach der Lücke kommt das Nichts, nach der Null kommen die negativen Zahlen. Stop the thigh crap! 

115/365 Gonzalo Iza via Compfight

Nachtrag 19.11.2013:
“Halbnackt, nur mit Büstenhalter und Unterhose bekleidet, steht Elena Leonidis vor dem Spiegel. Ihr erster Blick zielt auf die Beine. Ist da eine Lücke zwischen den Oberschenkeln zu erkennen? Je größer sie ist, desto besser. Sie beugt den Oberkörper zurück. Wenn die Schenkel sich immer noch nicht berühren, ist sie zufrieden und kann sich dem Bauch zuwenden…”
Und weiter geht die negative Selbstbetrachtung vor dem Spiegel, beschrieben in einem Artikel vom 13.10.2008 der Frankfurter Rundschau Online mit dem Titel “18 Jahre, 1,73 Meter, 36 Kilo“. Ich finde, das erklärt die Gefahr einer weiteren Kontrollstelle am weiblichen Körper (thigh gap), neben den nur allzu bekannten Stellen “Bauch, Beine, Po” sehr gut.

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