30% Frauenquote: Im Schneckentempo der Zukunft entgegen

Jetzt kommt also die Kompromissquote oder auch Miniquote: 30% Frauen in den Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen ab 2016. Hmmm, wäre diese Nachricht vor 10 Jahren verkündet worden, hätte es ein Grund zum Feiern gegeben; heute – 2013 – schmeckt der Sekt schal.
Okay, besser als nichts… Besser als (nur) die Flexiquote… Aber mal ehrlich, 30%? Ist das alles? Und nur die Aufsichtsräte? Nicht die Vorstände? Und nicht die öffentlichen Unternehmen (ups, vergessen, oder was?)? Und keine Strafe bei Nichteinhaltung, nur leerbleibende Plätze?

Schauen wir uns die Zahlen an… Alle Zahlen stammen aus dem Women-On-Board-Index von FidAR (Frauen in die Aufsichtsräte e.V.) vom 15.9.2013: 

Aktuell sind in 160 börsennotierten Unternehmen (DAX, MDAX, SDAX und TecDAX) folgende Frauenquoten vorzufinden:
17,4% in den Aufsichtsräten gesamt (auf der Seite der AnteilseignerInnen sind das 7,2%; auf der Seite der ArbeitnehmerInnen 9,2%)
6,1% in den Vorständen (Gegenprobe: 93,9% Männerquote – nur zur Betonung)
Der Frauenanteil in den Aufsichtsräten und Vorständen vereint beträgt damit 11,7%
Die vier (4 von 160!) weiblichen Aufsichtsratsvorsitzenden werden in dem Bericht namentlich genannt:

“Mit Dr. Simone Bagel-Trah (Henkel AG & Co. KGaA), Eva Castillo (Telefónica Deutschland
Holding AG), Susanne Klatten (SGL Carbon SE) und Marija G. Korsch (Aareal Bank AG) gibt
es mittlerweile vier weibliche Aufsichtsratsvorsitzende.”

0%  Vorstandsvorsitzende

Man kann sich das auch im internationalen Vergleich anschauen:
European Commission: Gender Equality in the Member States. Da sieht’s dann ganz düster aus: Deutschland fällt hier vor allem bei den Women CEO’s  mit 0% negativ auf. 

Gut, bzw. schlecht. 2016 wird also ein Frauenanteil von 30% in den Aufsichtsräten zu verzeichnen sein. Oder aber auch nicht, wenn die Plätze einfach straffrei freigelassen werden nach dem Motto “leider niemand passenden gefunden”. Bleibt es also doch bei obigen Zahlen? 2016 wissen wir mehr…
Nur am Rande sei noch gefragt, seit wann 30% eigentlich ein Drittel sind, wie uns dieser Tage oftmals hoffnungsvoll (oder verzweifelt?) versucht wird weiszumachen? Aber auf die 3% kommt’s nun auch nicht mehr an. Prost!

Slow down Arthur, Stick to Thirty

                          Creative Commons License Colin Milligan via Compfight

Spiegel Online stellt heute (20.11.2013) einige der weiblichen Aufsichtsräte der DAX Unternehmen unter dem Titel Dax-Konzerne: Das sind Deutschlands mächtigste Aufsichtsrätinnen vor und stellt die entsprechenden Grafiken von FidAR zur Verfügung:

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Und heute (21.11.2013) gibt es noch ein kurzes Spiegel Online Interview mit Sabine Hansen, Headhunter und Vereinsmitglied bei FidAR: Frauenquote in Aufsichtsräten: “Ich habe schon eine Handvoll Damen in petto”.
Frau Hansen spricht hier von den alten Machtstrukturen der “old boys networks” und kritisiert die Reaktion der Arbeitgeberverbände auf die kommende Frauenquote:
“Der Aufschrei der Arbeitgeberverbände überrascht mich. Was sich hier zeigt ist Angst, nicht nur um die Karrieren der Männer, sondern vor Veränderung allgemein”.
Ihr Fazit ist verhalten bis optimistisch:
“Es muss sich noch viel tun, aber das wird es, denn die Quote wird Strahlkraft haben. Man soll sich aber nicht vorstellen, dass jetzt über Nacht alles anders wird. Das ist nur ein erster wichtiger Schritt.”
Wie oft müssen wir wohl noch “erste wichtige Schritte” gehen?