Pub(l)ic Hair: The Personal Is Political

Soviel Aufregung um ein paar Haare… könnte man denken. Aber wie so häufig geht es hier (vornehmlich) um den weiblichen Körper und an dem darf ja bekanntlich gebürstet, geschnippelt, gestylt, getuned, gemalt sowie kaschiert, enthüllt, rasiert, epiliert und vor allem kritisiert werden.

Nun also an Schaufensterpuppen, die in voller Schambehaarung Unterwäsche anpreisen: East Houston Street, New York City, Januar 2014:

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Foto: Jen Chung/Gothamist
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Foto: Jen Chung/Gothamist

Skandal? Vielleicht im prüden Amerika, aber hier doch nicht… Durchaus: denn auch hierzulande hat sich das “pubic hair” im letzten Jahrzehnt in ein “public hair” gewandelt. Das Persönliche bleibt damit, wie Carol Hanisch schon 1969 in ihrem Essay  “The Personal Is Political” schrieb, politisch (damals ging es um die sogenannten feministischen “therapy” oder “personal groups”, die eben bei weitem nicht als “therapeutisch” oder “privat” zu bewerten, sondern, wie Hanisch argumentiert,  als politische Aktion anzuerkennen waren)

Das persönliche Schamhaar ist also politisch, wenn über weibliche Körperlichkeit(en) verhandelt wird. Wie viele Haare dürfen an einem weiblichen Körper sein? Wie viel Zeit ihres Lebens muss eine Frau daran verschwenden stets glatt rasiert, epiliert, gewachst oder gelasert zu sein? Und wovor genau haben wir eigentlich Angst?

Ebenfalls 1969 führte Valie Export ihre Performance “Genitalpanik” in einem Münchner Kinosaal auf: gekleidet in schwarzer Lederhose, die genau vor ihrem Schambereich dreieckig geöffnet war, schritt sie mit einem Maschinengewehr bewaffnet durch die Kinoreihen. 

Valie Export
Valie Export “Genitalpanik” 1969

“Striding up and down the rows of theatregoers, she brandished the weapon and challenged the male audience to engage with a “real woman” instead of with an images on a screen. Through these acts of artistic daring, EXPORT challenged the objectification of the female form by confronting voyeurs with a body that returned the gaze.” 

“Engage with a real woman… a body that returned the gaze” fasst zusammen, worum es in “Genitalpanik” ging. Nun ist jede rasierte (gelaserte, epilierte, gewachste) Frau natürlich auch weiterhin eine “richtige” Frau (was immer das wiederum sein soll), aber ich stelle mir Valie Export bei ihrer Aktion mit einer  säuberlich “gestylten” Scham vor und mir will nur das Wort “gezähmt” einfallen. Keine Panik mehr, keine Angst vor der “wilden Mähne” untenrum, sondern nur der säuberlich gepflegte “Vorgarten” eintöniger Vorortsphantasien.

Das Persönliche bleibt politisch, auch wenn es nur um ein paar Haare geht…

Mehr Links zum Thema:
Emer O’Toole schrieb Mitte Januar im Guardian “It’s the year of the bush – time to rediscover all female body hair” und heute ist beim Freitag eine deutschsprachige Fassung ihres Artikels erschienen “Die Rückkehr der Schamhaare”.

Und noch mehr zum Thema Körperhaare: Hair Riot 2.0 über die schwedische Aktion “Take your hair back!”