Plasbergs genderfail war ein journalistischer Totalausfall

Frank Plasbergs montägige Ausgabe seiner Sendung Hart aber fair zum Thema Gender Mainstreaming war eine Machtdemonstration par excellence und ein Tiefpunkt des Journalismus im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Der 57jährige Moderator zeigte dort, dass ihm jeglicher Sinn für den journalistischen Kodex abhanden gekommen ist.

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Bereits in seiner Anmoderation machte er deutlich, dass er “als Mann” sprach, eine überflüssige Erinnerung an sein biologisches Geschlecht und Einleitung zu einer Rhetorik, die Herr Plasberg – trotz anschließendem Versuch der Relativierung – während der gesamten Sendung nicht ablegen konnte oder wollte.
Moderieren (vom lat. moderare für mäßigen, kontrollieren, lenken) bedeutet üblicherweise eine Debatte zwischen Menschen mit unterschiedlichen Meinungen möglichst neutral und fair (!) zu führen, so dass alle Teilnehmer_innen ohne Ehrverletzung oder Diskriminierung frei ihre Ansichten austauschen können. Dieser neutrale Boden war am Montag Abend bei Herrn Plasberg nicht gegeben, denn er konnte oder wollte ihn nicht bereiten.
Schon der Titel “Nieder mit dem Ampelmännchen – Deutschland im Gleichheitswahn” verdeutlicht explizit die voreingenommene, und offensichtlich unverrückbare, Haltung von Herrn Plasberg und seiner Redaktion gegenüber dem Thema Gender Mainstreaming. Und auch die Gästeauswahl tat ihr übriges: neben Anne Wizorek (Autorin, #aufschrei) und Anton Hofreiter (Bündnis 90/Die Grünen), saßen Wolfgang Kubicki (FDP), Sophia Thomalla (Schauspielerin) und Birgit Kelle (Autorin). Was Herrn Kubicki und Frau Thomalla dazu befähigt, abgesehen von persönliche Erlebnissen, über Genderthemen zu sprechen, war von Anfang fraglich. Die “Hart aber fair”-Redaktion hatten ihnen die Rolle der populistischen Meinungsmacher zugesehen, die beide erwartungsgemäß erfüllten und damit das Niveau der Sendung von Beginn an niedrig hielten.
Herr Plasberg selbst war von journalistischer Neutralität meilenweit entfernt. Nun ist sicherlich streitbar, ob Herr Plasberg überhaupt zum politischen Journalismus zu zählen ist, jedoch moderiert er u.a. auch ARD Brennpunkte sowie den ARD Wahlcheck, was ein Hinweis auf die Kategorie des Politikressorts ist.
Süffisant eröffnete Herr Plasberg jedoch seine Sendung mit der Frage, ob wir nicht andere Sorgen hätten als den “Genderwahn” (und beantwortete dies gleich selbst mit “Doch haben wir:  Ukraine, Griechenland und IS-Terror”). Dann kamen die ersten “Fakten”, die sich nicht erst im hauseigenen Faktencheck als falsch erwiesen, sondern von Frau Wizorek gleich vor Ort widerlegt wurden: Nein, es sind nicht 190 Professoren und Professorinnen, die Genderforschung in Deutschland betreiben, wie Herr Plasberg gezielt übertrieb, sondern 15 explizite Gender-Lehrstühle (die anderen 165 Personen befassen sich mit Fragen der Geschlechter innerhalb ihrer jeweiligen anderen Disziplinen). Und so lief dann auch seine Behauptung, von den 190 Personen der Genderforschung wären 180 weiblich und nur 10 männlich,  ins Leere. Herr Plasberg schob noch ein “sowas bleibt nicht ohne Folgen” hinterher, so dass auch jeder und jedem bereits in der ersten Minute klar sein musste, dass er nicht moderierte, sondern agitierte. Dementsprechend gewählt waren die dann folgenden Beispiele des “Genderwahns” vom röhrenden Hirsch und den angeblichen Kosten von einer Millionen Euro durch die Umbenennung der Studentenwerke in Studierendenwerke in Nordrhein Westfalen.
Um die Debatte auch bildlich von Anfang an ins Lächerliche zu ziehen, ließ es sich Herr Plasberg nicht nehmen, den vielkritisierten 
ARD Kameraschwenk über Frau Katja Sudings Beine beim FDP-Dreikönigstreffen im Januar zu persiflieren. Nach dieser zweiminütigen Einführung als “Mann” wendete sich der “Moderator” dann endlich seinen Gästen zu.
Bereits in Minute 5:40 maßregelte Herr Plasberg jedoch schon eine Diskussionsteilnehmerin (ob Frau Thomalla oder Frau Kelle ist im Bild nicht zu sehen) mit den Worten: “Lasst die Männer doch mal grade sich aussprechen.”
Diese Männer, Herr Hofreiter und Herr Kubicki, wurden von Herrn Plasberg ab Minute 10:50 sehr unterschiedlich vorgestellt: Kubicki, jovial-lächelnd mit einem Foto auf dessen Yacht; Hofreiter, herablassend-schmunzelnd mit der Interna, dass dieser Pralinen selber mache. In diesem parteiischen Stil setzte sich die “Moderation” von Herrn Plasberg fort, der seine Gestik und Mimik bei Fragen und Kommentaren überaus bewertend einsetzte (dies war nur übertroffen von der “schauspielerischen Fähigkeit” Frau Thomallas im Gegenschnitt, die durchaus an die Ausdrucksstärke früherer Stummfilmschauspielerinnen herankam).
Dementsprechend hanebüchen und voreingenommen war dann auch die Auswahl der “Zuschauermeinungen”, die Brigitte Büscher ab Minute 55:45  ausgewählt hatte. Erst gen Ende der Sendung, als es um die Zahlen von Frauen in Führungspositionen und sexueller Übergriffe und Gewalt gegen Frauen ging, fand Herr Plasberg einen Teil seiner journalistischen Integrität wieder und wurde ernsthafter. Selbst Herrn Plasberg muss zu diesem Zeitpunkt bewusst geworden sein, dass die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zum Gender Pay Gap schwerlich anzuzweifeln sind, wie es Herr Kubicki dennoch unablässig versuchte.
Es ist einzig und allein Herrn Hofreiter und Frau Wizorek zu verdanken, dass wissenschaftliche Erkenntnisse der Geschlechterforschung in Form von Fakten und Zahlen überhaupt Gehör fanden, da Herr Plasberg ansonsten ausschließlich auf persönliche Erfahrungsberichte setzte: Kubickis Töchter und Enkel, Kelles Kinder, Thomallas Beobachtungen in Aufzügen und das Kinderbuch eines Redakteurs, das eine Autowerkstatt mit Mechanikerinnen darstellt.
Herr Plasbergs genderfail war damit gleichsam ein journalistisches Totalversagen.

3 thoughts on “Plasbergs genderfail war ein journalistischer Totalausfall

  1. Sorry, aber was für ein Schrottartikel. Wie kann man sich als Nichtautist nur so Winzigkeiten vergreifen. Werd mal locker, du oller Prinzipienreiter.

  2. Ihr FeministInnen kommt nur nicht damit klar, dass mal eine Diskussion geführt wird, bei der auch mal Feminismuskritiker zu Wort kommen. Das ist nämlich die Ausnahme. Das, was Du als Totalausfall bezeichnest, war tatsächlich eine Sternstunde. Und siehe da: Wenn FeministInnen ihre Filter-Bubble verlassen, stehen sie nicht besonders gut da…

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