All posts by Sonja Longolius

The great Siri Hustvedt and Katharina Grosse – Great in so many ways…

Last Friday, June 5, Siri Hustvedt and Katharina Grosse discussed the topic of “Women in the Arts” at the me Collectors Room in Berlin:

More than an hour, these two great artists discussed the role of gender in literature and the fine arts – and it’s worth to watch every minute of it.

Also read Hustvedt’s outstanding novel The Blazing World (Die Gleißende Welt) or see her blogs at The New York Times and Psychology Today to read more of her fascinating work. Also visit Grosse’s website or see her exhibition “The Smoking Kid” at Galerie Johann König in Berlin until June 21.

Grosse and Hustvedt were invited in the context of the exhibition Queensize which will be on display at the me Collectors Room until August 30. If you miss(ed) it, take a virtual tour with the curator Nicola Graef:

So engage in Hustvedt’s and Grosse’s work and listen to what they have to say.

Plasbergs genderfail war ein journalistischer Totalausfall

Frank Plasbergs montägige Ausgabe seiner Sendung Hart aber fair zum Thema Gender Mainstreaming war eine Machtdemonstration par excellence und ein Tiefpunkt des Journalismus im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Der 57jährige Moderator zeigte dort, dass ihm jeglicher Sinn für den journalistischen Kodex abhanden gekommen ist.

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Bereits in seiner Anmoderation machte er deutlich, dass er “als Mann” sprach, eine überflüssige Erinnerung an sein biologisches Geschlecht und Einleitung zu einer Rhetorik, die Herr Plasberg – trotz anschließendem Versuch der Relativierung – während der gesamten Sendung nicht ablegen konnte oder wollte.
Moderieren (vom lat. moderare für mäßigen, kontrollieren, lenken) bedeutet üblicherweise eine Debatte zwischen Menschen mit unterschiedlichen Meinungen möglichst neutral und fair (!) zu führen, so dass alle Teilnehmer_innen ohne Ehrverletzung oder Diskriminierung frei ihre Ansichten austauschen können. Dieser neutrale Boden war am Montag Abend bei Herrn Plasberg nicht gegeben, denn er konnte oder wollte ihn nicht bereiten.
Schon der Titel “Nieder mit dem Ampelmännchen – Deutschland im Gleichheitswahn” verdeutlicht explizit die voreingenommene, und offensichtlich unverrückbare, Haltung von Herrn Plasberg und seiner Redaktion gegenüber dem Thema Gender Mainstreaming. Und auch die Gästeauswahl tat ihr übriges: neben Anne Wizorek (Autorin, #aufschrei) und Anton Hofreiter (Bündnis 90/Die Grünen), saßen Wolfgang Kubicki (FDP), Sophia Thomalla (Schauspielerin) und Birgit Kelle (Autorin). Was Herrn Kubicki und Frau Thomalla dazu befähigt, abgesehen von persönliche Erlebnissen, über Genderthemen zu sprechen, war von Anfang fraglich. Die “Hart aber fair”-Redaktion hatten ihnen die Rolle der populistischen Meinungsmacher zugesehen, die beide erwartungsgemäß erfüllten und damit das Niveau der Sendung von Beginn an niedrig hielten.
Herr Plasberg selbst war von journalistischer Neutralität meilenweit entfernt. Nun ist sicherlich streitbar, ob Herr Plasberg überhaupt zum politischen Journalismus zu zählen ist, jedoch moderiert er u.a. auch ARD Brennpunkte sowie den ARD Wahlcheck, was ein Hinweis auf die Kategorie des Politikressorts ist.
Süffisant eröffnete Herr Plasberg jedoch seine Sendung mit der Frage, ob wir nicht andere Sorgen hätten als den “Genderwahn” (und beantwortete dies gleich selbst mit “Doch haben wir:  Ukraine, Griechenland und IS-Terror”). Dann kamen die ersten “Fakten”, die sich nicht erst im hauseigenen Faktencheck als falsch erwiesen, sondern von Frau Wizorek gleich vor Ort widerlegt wurden: Nein, es sind nicht 190 Professoren und Professorinnen, die Genderforschung in Deutschland betreiben, wie Herr Plasberg gezielt übertrieb, sondern 15 explizite Gender-Lehrstühle (die anderen 165 Personen befassen sich mit Fragen der Geschlechter innerhalb ihrer jeweiligen anderen Disziplinen). Und so lief dann auch seine Behauptung, von den 190 Personen der Genderforschung wären 180 weiblich und nur 10 männlich,  ins Leere. Herr Plasberg schob noch ein “sowas bleibt nicht ohne Folgen” hinterher, so dass auch jeder und jedem bereits in der ersten Minute klar sein musste, dass er nicht moderierte, sondern agitierte. Dementsprechend gewählt waren die dann folgenden Beispiele des “Genderwahns” vom röhrenden Hirsch und den angeblichen Kosten von einer Millionen Euro durch die Umbenennung der Studentenwerke in Studierendenwerke in Nordrhein Westfalen.
Um die Debatte auch bildlich von Anfang an ins Lächerliche zu ziehen, ließ es sich Herr Plasberg nicht nehmen, den vielkritisierten 
ARD Kameraschwenk über Frau Katja Sudings Beine beim FDP-Dreikönigstreffen im Januar zu persiflieren. Nach dieser zweiminütigen Einführung als “Mann” wendete sich der “Moderator” dann endlich seinen Gästen zu.
Bereits in Minute 5:40 maßregelte Herr Plasberg jedoch schon eine Diskussionsteilnehmerin (ob Frau Thomalla oder Frau Kelle ist im Bild nicht zu sehen) mit den Worten: “Lasst die Männer doch mal grade sich aussprechen.”
Diese Männer, Herr Hofreiter und Herr Kubicki, wurden von Herrn Plasberg ab Minute 10:50 sehr unterschiedlich vorgestellt: Kubicki, jovial-lächelnd mit einem Foto auf dessen Yacht; Hofreiter, herablassend-schmunzelnd mit der Interna, dass dieser Pralinen selber mache. In diesem parteiischen Stil setzte sich die “Moderation” von Herrn Plasberg fort, der seine Gestik und Mimik bei Fragen und Kommentaren überaus bewertend einsetzte (dies war nur übertroffen von der “schauspielerischen Fähigkeit” Frau Thomallas im Gegenschnitt, die durchaus an die Ausdrucksstärke früherer Stummfilmschauspielerinnen herankam).
Dementsprechend hanebüchen und voreingenommen war dann auch die Auswahl der “Zuschauermeinungen”, die Brigitte Büscher ab Minute 55:45  ausgewählt hatte. Erst gen Ende der Sendung, als es um die Zahlen von Frauen in Führungspositionen und sexueller Übergriffe und Gewalt gegen Frauen ging, fand Herr Plasberg einen Teil seiner journalistischen Integrität wieder und wurde ernsthafter. Selbst Herrn Plasberg muss zu diesem Zeitpunkt bewusst geworden sein, dass die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zum Gender Pay Gap schwerlich anzuzweifeln sind, wie es Herr Kubicki dennoch unablässig versuchte.
Es ist einzig und allein Herrn Hofreiter und Frau Wizorek zu verdanken, dass wissenschaftliche Erkenntnisse der Geschlechterforschung in Form von Fakten und Zahlen überhaupt Gehör fanden, da Herr Plasberg ansonsten ausschließlich auf persönliche Erfahrungsberichte setzte: Kubickis Töchter und Enkel, Kelles Kinder, Thomallas Beobachtungen in Aufzügen und das Kinderbuch eines Redakteurs, das eine Autowerkstatt mit Mechanikerinnen darstellt.
Herr Plasbergs genderfail war damit gleichsam ein journalistisches Totalversagen.

Gloomy Days bei Bloomy Days: Sex gegen Blumen

Je dümmer die Message, desto krasser der Shitstorm:

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Bemerkenswert finde ich neben dem Hauptslogan auch den Zusatz “B.D. wünscht Ihnen einen erfolgreichen Valentinstag”.
Zum Nachlesen: taz.de sowie ein Interview zur Plakatkampagne mit der Gründerin des Unternehmens Franziska von Hardenberg bei W&V.

Nachtrag 12.2.2015:
In diesem Zusammenhang schlage ich den MacherInnen von Bloomy Days folgenden Slogan vor: Wer Scheiße sät, wird einen Shitstorm ernten…
s. z.B. die Reaktion bei Pinkstinks oder auch Ami Disturbings großartige Antwort:

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(Danke Niko für’s Sehen)

Barilla: Die homophobe und gender-stereotype Nudel

Ende 2013 brachte sich Barilla Chef Guido Barilla aufgrund seiner homophoben Einstellung in die negativen Schlagzeilen und wetterte gegen gleichgeschlechtliche Familien. “Seine” Nudeln seien nur für die “klassische” Familie “in der die Frau eine fundamentale Rolle spielt” sagte er bei Radio24.
Diese gender-stereotype Haltung wird auch auf der Verpackung überaus deutlich, wo es heißt: “Bei Piccolini kann jede Mutter ganz beruhigt sein, …”

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Andere Marken zeig(t)en hingegen, dass Nudelwerbung heute auch anders geht:

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Quelle: Stern.de

In diesem Sinne: Augen auf beim Nudelkauf.
Buon appetito!

(Danke Hannah für’s Sehen und Fotografieren!)

Kein Abenteuer für die Kleine Prinzessin

Heute Nachmittag war ich mit meiner dreijährigen Tochter im Puppentheater. Gleich vorne weg: ihr hat es super gefallen, aber mir nicht.
Die Geschichte ist schnell erzählt: Im Zoo gibt es zwar einen neuen Löwenkäfig, aber keinen Löwen. Also beschließt der Kleine König nach Afrika zu fahren, um einen Löwen zu fangen. Bei allen “Afrikanern” bedeutet das Wort “Löwe” übrigens “Simba”. Fremdschämen war mein augenblickliches Gefühl.
Die Kleine Prinzessin, die leider keine Königin ist und damit nicht bestimmen kann, wie meine Tochter schnell erkannte, darf in dieser Geschichte aus unerfindlichen Gründen nicht mitreisen. Sie ist aber so überaus freundlich, dem Kleinen König das Bett aufzuschütteln, die Brote zu schmieren und ihm den Rucksack zu packen, denn das kann sie, nach eigener Aussage, gut. Sie freut sich dann auch über alle Maßen, als der Kleine König von seiner Reise nach Hause kommt und staunt über seine Abenteuer “Oh, den Affen hätte ich auch gern gesehen.”
Tja, dachte ich da: Darfst Du aber nicht arme Kleine Prinzessin, auch nicht im Jahr 2015. Du musst ja das Haus hüten und den Haushalt führen und darfst halt nicht bestimmen. Warum kann ich Dir leider auch nicht erklären, Kleine Prinzessin. Eine gemeinsame Reise mit dem Kleinen König wäre bestimmt lustig gewesen. Gemeinsam hättet ihr euch vom Fisch retten lassen, mit dem Affen spielen, und den Löwen kennenlernen können. Das wäre auch schön für den Kleinen König gewesen, er wäre dann nicht so einsam gewesen. So aber hast Du Dich zu Hause alleine gelangweilt, Kleine Prinzessin, und Du hast Dich in der Ferne alleine gefürchtet, Kleiner König. Wie traurig!

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Das Berliner Puppentheater

Unserer Tochter lesen wir heute Abend “Olivia ist doch keine Prinzessin!” von Ian Falconer vor, obwohl sie ja schon weiß, dass sie besser Königin wird, um bestimmen und Abenteuer erleben zu dürfen (oder halt ne coole Prinzessin 😉

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Olivia