Unser bester Mann… ist – Überraschung – eine Frau

Was machen wir nun damit?

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Ein Geschlechter-ironisches Wahlplakat der FDP? Müssen wir jetzt applaudieren?
Gut, dass auch der letzte Tatort vom 7.12.2014 ebenfalls mit diesem alten Kalauer aufwartet (doppelt hält besser!):

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Quelle: spiegel.de

Nicht ohne Grund, habe ich mich übrigens für diesen Link zum Spiegel entschieden, auch ob der Absurdität des Artikeltitels (oder ist der auch ironisch gemeint?).

Nun aber zu “unser (bester) Mann” ist eine Frau… Was für eine alte Schmonzette. Im Tatort vom Chef zur Kommissarin gesagt, kann ich noch eine leichte Sozialkritik heraushören, die solcherart verkrusteter Strukturen ironisch zu brechen versucht.
Aber als Wahlplakat einer Politikerin im Jahr 2014? Das ist doch so ein alter Hut (oder in diesem Fall besser “langer Bart”, ha, ha).
Dieser Wahlkampfspruch suggeriert einen aufgeklärten Umgang mit den Problemen Sexismus und Geschlechterdiskriminierung. Die FDP deutet hier an, sie wisse um aktuelle Gender- und Gleichberechtigungsdebatten – sei sogar soweit, sich ironisch darüber zu erheben.
Tja, nur sieht die Realität anders aus. Auch wenn die FDP seit der letzten Bundestagswahl nicht mehr im Bundestag vertreten ist, zeigt eine Grafik der Bundeszentrale für politische Bildung schnell, wie es um die Frauenquote und Geschlechtergleichstellung in der FDP im letzten Jahrzehnt bestellt war:

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Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung

Mit nur 24,6% bzw. 24,7 % weiblichen FDP Bundestagsabgeordneten (nicht zu reden von der Parteispitze), kann sich die FDP diese Form der Ironie nicht leisten (mal ganz abgesehen von sexistischem Verhalten a la Rainer Brüderle, vgl. dazu Laura Himmelreichs Stern Portrait über Brüderle “Der Herrenwitz” vom 1.2.2013). Den Anteil der Frauen an der FDP Parteimitgliedschaft hat die Bundesanstalt für politische Bildung übrigens mit 25% (1996) bzw. 22,6% (2009) bzw. 23% (2012) ermittelt.

Sogar die Diakonie Deutschland, nicht gerade der progressivste Verband den ich kenne, gab im Juni 2014 einen Flyer zur geschlechter-gerechten Sprache mit dem Aufmacher “Sie ist unser bester Mann! Wirklich?” heraus. Selbst bei der Diakonie haben sie also verstanden, dass “Sprache […] nicht nur ein Spiegel unseres Alltags und unserer Wertvorstellungen [ist|, sondern […] auch Wirklichkeit [schafft]. Gesellschaftlicher Wandel und der Wandel der Sprache beeinflussen sich dabei gegenseitig.” (Auch dieser Flyer ist sicherlich nicht ganz auf der Höhe der Geschlechter-Debatte, aber zeigt dennoch Ansätze der Auseinandersetzung mit den Themen Gleichberechtigung und Diskriminierung in unserer Sprache).

Wenn sich die FDP also heute mit einer vermeintlich Geschlechter-ironischen Wahlwerbung als up-to-date schmücken möchte, geht das gehörig schief. Denn erstens ist die FDP nicht glaubwürdig, am wenigsten bei diesem Thema, und zweitens zeigt sich hier, dass die FDP nicht nur sprachlich “Schnee von gestern” ist.

Und es wird schlimmer: Am Abend hat sich auch Frau Suding in einem kurzen Interview mit dem Focus geäußert: “Das Plakat darf man mit einem ironischen Augenzwinkern sehen. Es geht darum, dass wir Entschlossenheit und Durchsetzungsstärke signalisieren wollen.”
Und das geht nur als Mann, Frau Suding?
Der Spiegel wiederum zitiert einen FDP “Eingeweihten”: “Eine Debatte über Gleichberechtigung, Sexismus oder Gender-Rollen, das habe man mit dem Mann-Frau-Verwirrspiel jedenfalls nicht anstoßen wollen, …”
Aha, dann ist das Plakat doch einfach nur diskriminierend und sexistisch. Passt ja wieder zur FDP und ihrer entsprechenden Frauenquote.

Jetzt Abstimmen: “Der Zornige Kaktus” für sexistische Werbung

Noch bis zum 18. November 2014 könnt ihr bei Terre Des Femmes zwischen vier sexistischen Werbungen wählen, die um den Negativ-Preis Der Zornige Kaktus konkurrieren. Diese vier Kandidaten haben es in die engere Auswahl der Jury, bestehend aus Stevie Schmiedel (Pinkstinks), Stefanie Lohaus (Missy Magazin) und Jasna Strick (#aufschrei), geschafft:

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Quelle: Terre Des Femmes
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Quelle: Terre Des Femmes

“Der zornige Kaktus” Vorschläge für den Negativ-Preis noch bis zum 24. Oktober 2014

Terres des Femmes sammelt noch bis zum 24. Oktober 2014 Vorschläge sexistischer Werbung für den Negativ-Preis “Der zornige Kaktus“. Sendet eure Vorschläge ein. Bereits dort gelandet sind u.a. die TLC Werbung und die “Dosenöffner” Kampagne, die auch hier schon Thema waren:

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Quelle: Terre Des Femmes
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Quelle: Terre Des Femmes

Dosenöffner? Platter geht’s nicht Borco…

Dieser Tage plakatiert Borco, der Hersteller von Sierra Tequila und Paloma Lemonade, deutschlandweit eine neue Kampagne:

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Das Plakat richtet sich klar an Männer (“King of the Night”) und der “Wortwitz” Dosenöffner ist so eindeutig wie platt. Paloma bedeutet übrigens auf Spanisch Taube, ist weiblich konnotiert und steht damit dem mit männlichen Feldarbeitern assoziierten Sombrero gegenüber.
In der Pressemitteilung von Borco heisst es dazu noch “erklärend”:
“Das Bild zeigt die beiden Hauptakteure in intimer Sundowner-Atmosphäre auf städtischem Rooftop” (Borco)
Ernsthaft? Euer Mix-Getränk ist eine Art roofy, oder wie stellt ihr euch das vor? Ein wenig Selbstreflexion zeigt Borco dann ungewollt in besagter Presseerklärung zum Motiv “auf dem das mexikanische Erfolgs-Duett in simpler und besonders einprägsamer Symbolik beabsichtigt plakativ und aufmerksamkeitsstark beworben wird.”
Ja, plakativ und simpel beschreibt es ganz gut, oder einfach platt sexistisch!

#genderfail #kaufichnicht

(Foto: Felix. Danke fürs Sehen und Teilen)